Die Geschichte der Sehmaer Metten


Rückblick anlässlich 100 Jahre Christmette in Sehma 2005

Schon am 14. Dezember 1729 richtete der damalige Pfarrer Spindler ein Gesuch an den Superintendenten zu Annaberg mit der Bitte, in Sehma einen Mettengottesdienst abhalten zu dürfen. Es ist aber kein Schriftstück über die Genehmigung zu finden. Es ist anzunehmen, dass sie mündlich erfolgte, auch wurde in den Kirchenakten nichts wieder erwähnt.

Erst am 15. November 1899 richtete der Vorsitzende des Sehmaer Krippenvereins, Paul Döhnel, ein Schreiben an den Sehmaer Kirchenvorstand, mit der Bitte um Einführung einer Christmette am Weihnachtsmorgen. Pfarrer Führer war im Krippenverein sehr aktiv, da war das Anliegen verständlich. Die alljährlichen Weihnachtsspiele wurden im Saal des Oelmannschen Gasthauses (Sehma-Perle, heute abgerissen) zur Aufführung gebracht, die Darsteller waren Sehmaer Schulkinder.

Von Kantor Müller, welcher zu dieser Zeit im Amt war, sind nur spärliche Niederschriften zu finden, aber aus Notizen über gottesdienstliche Gesänge ist zu schließen, dass bis 1904 der Mettengottesdienst nur liturgisch gestaltet wurde. Aus Aufzeichnungen des Krippenvereins geht hervor, dass in der Adventszeit ein paarmal Weihnachtsspiele in der neuen Pauluskirche stattfanden.

Aus den Niederschriften ist zu ersehen, dass erst 1905 das erste Mal ein Christmettenspiel unter Leitung von Kantor Müller am 1. Christtagmorgen zur Aufführung kam. Es wurde das Steinbacher Mettenspiel aufgeführt. Der Beleg ist ein Programm der Steinbacher Mette von 1905 in Sehma.

Auch 1908, als Kantor Buschmann seinen Dienst in Sehma antrat, führte er diese Tradition weiter. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 wurde der Mettengottesdienst wieder liturgisch gehalten. Doch Weihnachten 1917 ist das Steinbacher Mettenspiel wieder am 1. Christtag aufgeführt worden.

Nach dem Tod von Kantor Buschmann am 8. April 1918 hat der 2. Kirchschullehrer Matthes alle Dienste des Kantors übernommen, wie auch schon während der Krankenhauszeit. So konnte auch 1918 die Steinbacher Mette stattfinden.

Im April 1919 kam Kantor Oskar Ruckdeschel nach Sehma. Er führte die Steinbacher Mette bis Weihnachten 1921 weiter auf. Aus einem Zeitungsartikel ist zu entnehmen, dass er schon im 200. Kantoreijubiläumsjahr 1922 ein neues Mettenspiel einstudiert hat. Das erste Mettenprogramm liegt von Weihnachten 1924 vor. Er hat jedes Jahr die Mette unter ein anderes Thema gestellt, und zwar wie folgt:

Wir haben einen Stern gesehen.
Und es war Licht.
Selig, wer des Herren Stimme kennt.
Hoch tut euch auf ihr Tore der Welt.
Ich steh an deiner Krippe hier.

Letzteres Spiel ist bis zuletzt zur Aufführung gelangt und auch durch den Rundfunk übertragen worden. Die erste Übertragung erfolgte 1929 am 1. Christtag früh und die letzte 1955 mit Ausnahme der Kriegsjahre des 2. Weltkrieges. Von 1940 bis 1944 gab es auch in Sehma keine Mette. Ab Weihnachten 1945 konnte die Christmette wieder stattfinden.

Hier ein paar Fotos von den Metten im Jahre 1945:

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Nach dem Ausscheiden von Kantor Ruckdeschel aus dem Amt wurde die Mette in der alten Form nicht mehr zur Aufführung gebracht. Unter seinem Nachfolger Kantorkatechet Günter Trommler fand auch eine Christmette statt, aber in veränderter Form. Das Herrenhuter Spiel wurde in Sehma aufgeführt. So hat jeder Kantor seine Vorstellungen eingebracht.

Kantor Harald Seydler trat im April 1962 seinen Dienst in Sehma an. Er hat sich mit der Christmette große Mühe gemacht und wieder einiges verändert. Von ihm sind die Textvorlagen von 1962 vorhanden. Im Text 1967 ist dann schon Bergmann und Lichterengel dabei. Ob sie schon vor dem Jahr 1962 dabei waren ist nicht sicher. Da 1967 die Kantorenstelle vakant war, haben Pfarrer Zweigler und Herr Gerhard Lampel die Mette einstudiert.

Das Mettenspiel hat sich vor allem kirchenmusikalisch unter jedem Kantor geändert. Kantor Bernd Hennig (1969) ließ nur eine männliche Person den Verkündigungsengel darstellen. Sein Nachfolger Kantor Jochen Ludwig sah das wieder ganz anders, und so sang wieder ein weiblicher Verkündigungsengel. Nach dem Dienstwechsel von Kantor Ludwig übernahm 1982 die musikalische Leitung der Mette Herr Werner Herrmann und Gottfried Nestler, aber die spielerische Gestaltung ging in die Hände von Brunhilde Nestler über.

Als 1983 Kantor Werner Steinert seinen Dienst antrat, ging die musikalische Leitung an ihn über, da aber seine Frau krank war und Pflege bedurfte, verblieb die spielerische Leitung bei Frau Nestler.
Nachdem die Pflege immer schwerer wurde und er seinen Dienst aufgeben musste, übernahmen Torald Vogel und Jens Böttger die musikalische Leitung.

Am 1. August 1992 trat Gottfried Nestler als Kantorkatechet seinen Dienst an. Nun ging die gesamte Leitung der Christmette wieder in die Hände des Kantors über, wie es in der Vergangenheit üblich war. Unter seiner Leitung sind nun auch schon wieder Ergänzungen und Veränderungen erfolgt.

Nach dem Dienstwechsel von Kantor Nestler im Sommer 1998, hat Weihnachten 1998 Torald Vogel die musikalische Leitung übernommen. Die Spielleitung übernahm wieder Frau Brunhilde Nestler, die sie bis zum Jahre 2005 noch in den Händen hatte. Seit den Metten im Jahre 2006 kümmern sich Mira Pollmer und Michael Kreher um die spielerische Leitung.

Als Kantor Reimar Hartig seinen Dienst in Sehma antrat, ging die musikalische Leitung der Mette an ihn über und Torald Vogel hat meistens die Orgel gespielt. Da Reimar Hartig aber auch noch in Buchholz die musikalische Leitung der Metten inne hat, ging diese für die Sehmaer Metten wieder ganz an Torald Vogel über.

Die "100"-ste Christmette in Sehma wurde am 1. Christtag 2005 gespielt und am 6. Januar 2006 wiederholt.

 

Mette im Jahr 2005

Quellen: Kirchenbücher und Kantoreichronik von Kantor Ruckdeschel sowie

Kirchenchronik von Friedrich Mahn und andere kirchliche Akten

ausgearbeitet von Brunhilde Nestler (leider 2008 verstorben)

an die Gegewart angepasst und ergänzt von Sven Rust

 

   
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